Podio: Wortwitz verschlägt dem Publikum die Sprache

Thomas Kreimeyer improvisiert im Podio zwei Stunden lang aus dem Stegreif.

Kleinkunst
Andreas Bischof

Bei Thomas Kreimeyer im Podio dauerte es keine anderthalb Minuten, da saß schon die erste improvisierte Pointe.

Krefeld. Er ist ziemlich schlagfertig, groß, schlank und attraktiv. Er lässt Frauenherzen schneller schlagen und bringt das Zwerchfell zum Hüpfen. Kabarettist Thomas Kreimeyer ist soeben auf der Bühne des Wohnzimmertheaters Podio erschienen, da hört er auch schon das erste Getuschel im Publikum.

„Was flüstern Sie da?“, will er wissen. „Belangloses“, winkt die Zuschauerin ab. „Sie können doch nicht ins Theater gehen und dem Herrn belangloses Zeug erzählen“, beschwert sich Kreimeyer.

Die kontert: „Das muss ich machen, sonst schlafft er ab!“ Das schockiert den Stegreif-Wortakrobaten zusehends: „Ich bin seit eineinhalb Minuten auf der Bühne und da schlafft er schon ab?“ Das Publikum haut es fast vom (roten) Stuhl.

Der rote Stuhl – gleichzeitig auch der Titel des Programms – hat nur Alibifunktion. Er ist handtellergroß und wird am Vorhang befestigt. Thomas Kreimeyer parliert mit dem Publikum und stellt Fragen, auf die er interessante und manchmal auch einsilbige Antworten erhält. Letztere werden sofort kommentiert: „In Ihrem Alter müssten Sie doch schon einen Fünf-Wort-Satz hinkriegen können.“

Thomas Kreimeyer unterhält mit Wortwitz, viel Mimik und erstaunlich wenig Requisiten. Es gibt eine Eieruhr, den „Timer“, der nach exakt 50 Minuten die Pause einläutet.

Der Gewinner der Goldenen Gudrun ist frech, aber nie unverschämt

Der Gewinner des „Goldenen Rottweiler Publikumspreis 2011“ und der „Goldenen Gudrun 2010“ hinterfragt, hakt nach, nimmt die Antworten aus dem Publikum aufs Korn, jedoch ohne bloßzustellen.

Von Frauen, die wachgerüttelt werden, aber „nicht oft genug“, wie jemand aus der Sitzreihe zu wissen glaubt, ist da die Rede, ebenso von einem Herrn, der seit Ewigkeiten, also „seit ungefähr zwölf Inkarnationen“, Polizist ist.

„Lust auf Krefeld“ fühlt sich an wie steigerungsfähige Vorfreude, findet eine Besucherin aus Bottrop. „Was macht man da?“, fragt der Berliner Kabarettist. „Movie World“, lautet die knappe Antwort. „Ist wie Babelsberg für Einsteiger.“

Erstaunliches gibt eine Krefelderin preis, die aufs sonntägliche Frühstücksei verzichtet und sonntags am liebsten dem Nichtstun frönt. „Die Suche nach dem Nichts funktioniert offenbar auch ohne Lotussitz“, stellt Kreimeyer fest. „Ich kann mich noch entwickeln“, tönt es zurück. „Ihre Zukunft ist sehr verheißungsvoll“, kontert Kreimeyer.