Thomas Kreimeyer - Stehgreifkabarett

Werdegang eines Ratlosen

  • Gewinner des Komiker Jackpot (Lotto Rheinhessen) 2014, Jurypreis 1. Platz
  • Gewinner des Österreichischen Goldenen Kleinkunstnagel 2013, Jurypreis 1. Platz und Publikumspreis
  • Gewinner des Hamburger Comedy Pokal 2012, Jurypreis 1. Platz und Publikumspreis
  • Gewinner des Goldenen Rottweiler 2011, Publikumspreis
  • Gewinner der Goldenen Gudrun 2010, Publikumspreis
  • Bei meiner Geburt waren meine Geschwister auf einen neuen Spielgefährten eingestellt und begrüßten mich mit hölzernen Bauklötzen, mit denen ich schlicht nichts anzufangen wusste. Der Beginn meiner Ratlosigkeit.

    Mutter liest, Vater malt. Ich versuche es mit reden.

    In der Abiturklausur im Fach Philosophie sollten wir von Jürgen Habermas‚ Erkenntnis und Interesse mit astrophysikalischen Weltentstehungsmodellen vergleichen. Ich schaffe es, meine Ratlosigkeit sprachgewandt zum Ausdruck zu bringen. Immerhin.

    Mit gleicher Strategie bewältige ich Mitte der achtziger Jahre auch meine Diplomarbeit im Fach Soziologie. Meine Ratlosigkeit ist jetzt akademisch abgesegnet.

    In verschiedenen Forschungsprojekten erhärtet sich mein Verdacht, dass es anderen Menschen ähnlich ergeht wie mir. Ratlosigkeit scheint eher nicht gesellschaftsfähig zu sein.

    So gehe ich Ende der achtziger Jahre nach Indien, um zu erfahren, dass man sich dort im Lotussitz oder auf dem Kopf stehend der Ratlosigkeit annimmt. Und das schon seit tausenden von Jahren. Immerhin.

    An der Theaterschule von Philip Gaulier in Paris lerne ich Anfang der neunziger Jahre, dass der Umgang mit meiner Ratlosigkeit durchaus auch lustvoll sein kann. Aus den (Blick-)Kontakten mit dem Publikum ergeben sich erstaunliche Wendungen für erstaunliche Fragen.

    Auf der Suche nach den (Blick-)Kontakten, durchwandere ich improvisierend in den Neunzigern das Scharlatan Theater in Hamburg, das Harlekin Theater und die Scheinbar in Berlin sowie Rundfunkanstalten und Seminare, diverse Galaveranstaltungen und Betriebsfeste.

    Schließlich entsteht Ende der neunziger Jahre das 'Kabarett der rote Stuhl'. Mit meinem 'Steh-Greif-Kabarett' habe ich einen lustvollen Umgang mit der Ratlosigkeit gefunden. Immerhin.